Geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung

Unter frührehabilitativen Gesichtspunkten werden schwer betroffene ältere und hochaltrige Menschen nach einem Akutereignis (z. B. Schlaganfall, Herzinfarkt, Lungenentzündung, Operation, Gelenkersatz) oder nach Knochenbrüchen so schnell wie möglich "ganzheitlich" behandelt. Durch Immobilität kommt es nämlich schnell zum Muskelabbau (bis zu 1 kg / Woche!) mit einem entsprechenden Kräfteverfall. Oft nehmen dadurch Selbständigkeit und Alltagskompetenz so stark ab, dass es für die Betroffenen nahezu unmöglich wird, eigenständig im häuslichen Bereich weiterzuleben. Eine Behandlung in einer normalen Rehabilitationsklinik ist jedoch wegen der Schwere der körperlichen, aber häufig auch seelischen Beeinträchtigungen oder nicht auszuschließender erneuter Komplikationen kaum möglich, sodass eine frührehabilitative Behandlungsmaßnahme in einer geriatrischen Akutklinik notwendig wird.

Im Rahmen einer möglichst rasch nach dem akuten Erkrankungsbeginn einsetzenden Frührehabilitation mit berufsgruppenübergreifendem Therapiekonzept arbeitet das geriatrische Team daran, die Selbsthilfefähigkeit und Mobilität der Patienten zu verbessern und so eine realistische Zukunftsperspektive zu eröffnen. Je eher nämlich mit den rehabilitativen Maßnahmen begonnen wird, desto leichter und öfter gelingt die Wiedereingliederung in die gewohnte häusliche Umgebung. Neben der ärztlichen Betreuung sowie der ganztägigen therapeutisch-pflegerischen Aktivierung und anleitenden Unterstützung werden die Patienten bei uns daher intensiv →krankengymnastisch, →ergotherapeutisch und bei Sprach-/Schluckstörungen auch →logopädisch behandelt. 

Die Durchführung einer geriatrischen frührehabilitativen Komplexbehandlung ist nur unter Einhaltung folgender Kriterien möglich: 

  • Ein akutmedizinischer Behandlungsbedarf muss während des
    gesamten Krankenhausaufenthaltes vorhanden sein.
  • Die Behandlung erfolgt durch ein geriatrisches Team unter
    fachärztlicher geriatrischer Behandlungsleitung und beinhaltet
  • Ein standardisiertes "geriatrisches Assessment" zu Beginn der Behandlung in den vier Bereichen
    Mobilität, Selbsthilfefähigkeit, Kognition, Emotion und vor der Entlassung in mindestens zwei 
    Bereichen (Selbständigkeit, Mobilität)
    • Ein soziales Assessment zur bisherigen häuslichen Situation (soziales Umfeld, Wohnumfeld,
      häusliche/außerhäusliche Aktivitäten, Pflege-/Hilfsmittelbedarf, rechtliche Verfügungen)
    • Eine wöchentliche Teambesprechung unter Beteiligung aller Berufsgruppen einschließlich
      der leitenden Ärzte mit wochenbezogener Dokumentation der Behandlungsergebnisse und
      weiterer Behandlungsziele
    • Eine aktivierend-therapeutische Pflege durch besonders geschultes Pflegepersonal:
      mindestens eine Pflegefachkraft des Teams muss eine curriculare geriatriespezifische
      Weiterbildung von 180 Stunden sowie eine sechsmonatige Erfahrung in einer geriatrischen
      Einrichtung nachweisen
    • Den teamintegrierten Einsatz von mindestens zwei Therapiebereichen:
      Krankengymnastik/physikalische Therapie, Ergotherapie, Logopädie, Psychologie/Neuropsychologie.
      Es können auch ein bis zwei Therapien in einer Gruppe stattfinden