Leistungsspektrum

Was ist eigentlich "Geriatrie"?

Nach der WHO-Definition von 1989 ist die Geriatrie "der Fachbereich der Medizin, der sich mit der Gesundheit im Alter sowie den präventiven, klinischen, rehabilitativen und sozialen Aspekten von Krankheiten beim älteren Menschen" beschäftigt.

Geriatrische Medizin berücksichtigt neben den medizinischen und psychologischen auch die sozialen Probleme der älteren und hochaltrigen Patienten. Diagnostik und ganzheitliche Therapie werden unter Berücksichtigung der körperlichen und psychischen Veränderungen des alternden Menschen möglichst individuell auf ihn zugeschnitten.

Wie funktioniert Geriatrie?

Neben der akutmedizinischen ärztlichen Behandlung sind beim älteren Patienten in der Regel → aktivierend-therapeutische Pflege und häufig auch intensive →physio- und →ergotherapeutische, teilweise auch →logopädische Übungsbehandlungen erforderlich, um den verschiedenen Handicaps und Einschränkungen sowie dem drohenden Verlust der Selbständigkeit entgegenzuwirken. 

Geriatrische Medizin will die aktive Lebensspanne verlängern ("... den Jahren Leben geben - nicht dem Leben Jahre!" C. Saunders, 1918-2005, englische Ärztin) und die Abhängigkeit von fremder Hilfe vermeiden helfen. Dabei umfasst Geriatrie das gesamte Spektrum der modernen Inneren Medizin und angrenzender Spezialgebiete, wobei den Möglichkeiten und Grenzen alternder Menschen Rechnung getragen wird. 

Hilfe zur Selbsthilfe

Alle Berufsgruppen im geriatrischen Team verfolgen gemeinsam den Ansatz, den Patienten die wichtigen alltäglichen Aufgaben und Funktionen nicht abzunehmen, selbst wenn es den Anschein hat, dass sie zu lange mit einer Aufgabe beschäftigt sind oder sich damit „abmühen“. Wir verfolgen konsequent ein aktivierendes Pflege- und Behandlungskonzept, d. h. wir geben den Patienten gezielte „Hilfe zur Selbsthilfe“, indem wir sie nur dort unterstützen, wo sie wirklich Hilfe brauchen. 

So lernen sie - ihren individuellen Möglichkeiten und Einschränkungen angepasst - möglichst viele Aufgaben und Funktionen wieder eigenständig zu planen und auszuführen. Das heißt, dass auch bei schweren Erkrankungen - wie z.B. nach einem Schlaganfall - von Anfang an durch gezielte Anleitung und punktuelle Hilfe das Einnehmen der Mahlzeiten, die eigene Körperpflege, das selbständige Ankleiden und der Gang zur Toilette wieder "trainiert" werden. Die Patienten sollen nach der Entlassung so unabhängig wie möglich ihre mehr oder weniger veränderte Lebenssituation meistern können - und die meisten wollen das auch selbst!  

Soll dieser oft beschwerliche, aber lohnende Weg zum Erfolg führen, müssen nicht nur die Patienten, sondern auch die Angehörigen mit uns "an einem Strang ziehen“. Deshalb versuchen wir, sie von Anfang an in dieses Behandlungskonzept mit einzubinden.

Frührehabilitation

Besonders zielführend ist dabei die "teamintegrierte geriatrische Frührehabilitation", die sich zeitnah an kardiologische, orthopädische, chirurgische/gefäßchirurgische Eingriffe oder internistische und neurolo-gische Akuterkrankungen bzw. eine an eine akute Verschlechterung chronischer Krankheitsbilder anschließt. 

Die Akutbehandlung wird dann im Rahmen einer "frührehabilitativen geriatrischen Komplexbehandlung" weitergeführt. Ziel ist die Rückkehr in das häusliche Umfeld. Daher wird die Behandlung auch vom Sozialdienst eng begleitet, um mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit Patienten und Angehörigen individuelle Lösungen zu erarbeiten.  → Mehr zu diesem Thema erfahren Sie hier

Demenzstation

Hirnleistungsstörungen sind ein typisch altersabhängiges Problem. Unser besonderes Anliegen sind die Früherkennung/-behandlung von Hirnleistungsstörungen, um die Alltagskompetenz von Menschen mit Demenz möglichst lange zu erhalten und ihre Angehörigen für die häusliche Versorgung zu schulen. Dafür haben wir unsere Station "Lichtblick" eingerichtet, in der Betroffene während ihrer akutmedizinischen oder frührehabilitativen Behandlung von speziell ausgebildetem Pflegepersonal und Alltagsbegleitern milieutherapeutisch betreut werden, um Ängste und psychische Verhaltensauffälligkeiten möglichst ohne Psychopharmaka aufzufangen. → Mehr zu diesem Thema erfahren Sie hier

Nachtcafé

Man trifft sie zunehmend häufiger im Krankenhaus an, die „Nachtschwärmer“ der besonderen Art: Menschen, die an einer Demenz leiden und deren Gewohnheiten nicht zum Krankenhausalltag "passen". Bereits 2001 haben wir daher für unsere stationären Patienten mit mittelschwerer Hirnleistungsstörung das "Nachtcafé" eingerichtet. Dabei handelt es sich um ein niederschwelliges Beschäftigungsangebot in den frühen Abendstunden unter Anleitung von ausgebildeten Demenzbegleitungskräften. → Mehr zu diesem Thema erfahren Sie hier

Patientenorientierte Zusammenarbeit mit der Abteilung für Gerontopsychiatrie

Kommt es im Rahmen einer fortschreitenden Demenzerkrankung zu schweren Verhaltensstörungen mit Fremd- oder Eigengefährdung oder aber zu einem wiederholten Verlassen der Station mit Ablehnung jeder medizinisch erforderlichen Behandlung infolge fehlender Krankheitseinsicht, ist aufgrund einer engen Zusammenarbeit mit der Abteilung für Psychiatrie im Haus eine Übernahme auf die ("geschlossene") Station für Gerontopsychiatrie möglich. Dort erfolgt eine gemeinsame medizinische Betreuung der Patienten durch beide Fachabteilungen.