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Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da

Patienten mit Demenz profitieren im Elisabeth-Krankenhaus von einer besonderen Art der Zuwendung

Aus Omas Wohnzimmer im Elisabeth-Krankenhaus Gelsenkirchen sind Stimmen zu hören. Wie an jedem Dienstag und Donnerstag hat auch an diesem frühen Abend das Nachtcafé geöffnet. Angeregt durch die auf dem Tisch verteilten Souvenirs aus fernen Ländern sind die acht älteren Damen schnell in ein Gespräch über ihre Urlaubserlebnisse aus vergangenen Jahren vertieft. Entspannt sind sie und lachen miteinander. Und dann begrüßen Edelgard Gollan und Petra Ziem, die beiden Mitarbeiterinnen, die regelmäßig im Nachtcafé tätig sind, die Anwesenden und laden sie ein, sich vorzustellen.

Sie alle sind Patientinnen - 94 Jahre alt die älteste - und an Demenz erkrankt. In ihrer Mitte ein Gast, Nicole von Rüden. Sie kennt das Elisabeth-Krankenhaus und die Arbeit mit den Demenzkranken dort aus ihrer Zeit als Praktikantin. Mitgebracht hat sie das Spiel „Kugelbunt“, dessen Mitautorin sie ist. Es ist speziell zugeschnitten auf die Bedürfnisse dementiell veränderter Menschen und somit für sie besonders geeignet. Das Spiel spricht alle Sinne und Gefühle der Beteiligten an und fördert ihr Wohlbefinden – genauso wie es Ziel des Nachtcafé ist.

Nachtcafé im Krankenhaus?

Dahinter verbirgt sich ein niederschwelliges Betreuungsangebot des Krankenhauses, das auf der Grundlage des ursprünglich aus den USA stammenden Konzeptes der Erzählcafés entwickelt wurde. Seit 15 Jahren öffnet das Nachtcafé im Elisabeth-Krankenhaus nun schon regelmäßig seine Türen. Und wenn – wie bei jedem neuen Projekt. – anfangs auch hier skeptische Stimmen laut wurden und viel Überzeugungsarbeit nötig war, sind die Erfahrungen der vergangenen Jahre durchweg positiv. „Zu sehen, wie sich die Gäste durch die Teilnahme verändern können, zeigt uns immer wieder, dass wir mit diesem Angebot einen guten Weg beschreiten“, ist Kerstin in der Beek vom Team des Demenzcafés überzeugt.

Ältere Menschen benötigen nicht mehr so viel Schlaf. Ihr Schlafverhalten ändert sich. Das kann bei demenzerkrankten Personen so weit führen, dass sie den Tag zur Nacht machen, auch bei einem Krankenhausaufenthalt. In der fremden Umgebung sind sie häufig besonders unruhig, laufen über die Station, gehen in fremde Zimmer. Mitpatienten fühlen sich dadurch beeinträchtigt. Für das Pflegepersonal bedeutet es zusätzlichen Stress.

Im Nachtcafé erleben diese Patienten eine entspannte Zeit. Sie singen bekannte Volkslieder oder alte Schlager, lauschen den vorgelesenen Geschichten oder Märchen oder erzählen sich aus ihrem Leben. Jeder kommt zu Wort und jeder kann sich beteiligen. Die Mitarbeiterinnen inspirieren die Gäste zum Gespräch und ermuntern sie mitzumachen. Jedem widmen sie Aufmerksamkeit und Zuwendung. Den Patienten tut das gut. Sie fühlen sich wohl und angenommen, werden dadurch ruhiger und ausgeglichener. Zusätzlich werden das Langzeitgedächtnis, die Fähigkeit zur Kommunikation und Orientierung aktiviert, Langeweile und Isolation werden vermieden. In der Folge können dadurch mitunter sogar sonst notwendige Medikamente reduziert werden. Diese kleinen Schritte sind jeden Einsatz wert.

Schnell ist die Zeit vorbei. Mit entspannten Gesichtern, manche mit einem Lächeln verabschieden sich die Damen nach etwa 90 Minuten aus dem Nachtcafé.

 

In einen Kasten:

Nachtcafé
geöffnet dienstags und donnerstags, 18:30 bis 20:15 Uhr in Omas Wohnzimmer

Zum Team gehören:
Edelgard Gollan und Petra Ziem (qualifiziert nach § 45 SGB 11)
Ergotherapeuten
Kerstin in der Beek (Fachkrankenschwester für Demenz)
Notburga Greulich (Krankenhauseelsorgerin)
Dr. Willi Leßmann (Leitender Arzt Geriatrie)

Von den Ergotherapeuten der Geriatrie erhalten die Mitarbeiterinnen eine Liste der Patienten, die von einem Besuch im Nachtcafé profitieren könnten. Diese werden aus ihren Zimmern abgeholt und später auch wieder zurück gebracht. Ob sie die Einladung annehmen, ist absolut freiwillig. Vom Nachtcafé-Team wird zu jedem teilnehmenden Patienten ein Patientenbogen angelegt, anhand dessen nachverfolgt werden kann, ob und wie sich der Zustand verändert hat.