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Der Wille des Patienten ist entscheidend!

Großes Interesse an einer Veranstaltung des Ethik-Komitees des Sankt Marien-Hospitals Buer über die Patientenverfügung

Die Mitglieder des Ethik-Komitees im Sankt Marien-Hospital Buer, Leitung Dr. med. Markus Wittenberg, wollen Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern des Hauses Hilfestellung in schwierigen Entscheidungssituationen geben und ihnen beratend zur Seite stehen. Vor diesem Hintergrund hatten sie zwei Experten eingeladen, um im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung über das Thema Patientenverfügung zu informieren.

Doris Ludes, Rechtanwältin und Notarin aus Marl, machte deutlich, dass eine Patientenverfügung, in der festgelegt wird, welche Therapiemaßnahmen angewendet werden dürfen und welche ein Patient ausschließt, nicht ausreicht, um alle Bereiche des Lebens abzudecken. Wer gut vorsorgen möchte, um sicher zu sein, dass sein Wille auch dann respektiert wird, wenn er ihn vorübergehend oder dauerhaft nicht mehr persönlich äußern kann, sollte außerdem in demselben Dokument eine Vorsorge- und eine Vermögensvollmacht erteilen. Sie betonte, dass es wichtig ist, mit dem Ehepartner, den Kindern oder anderen nahestehenden Personen zu sprechen und mit ihnen gemeinsam zu entscheiden, wer die rechtliche Vertretung übernehmen wird, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. „Vertrauen Sie Ihren Kindern. Scheuen Sie sich nicht, Entscheidungen zu treffen!“, sagte sie. „Denn wenn Sie dies nicht tun, wird letzten Endes ein gerichtlicher Betreuer bestellt, der dies übernimmt! Und das muss nicht zwingend jemand aus der Familie sein!“ Dabei spiele in Zeiten von E-Mail und Handy auch die räumliche Entfernung kaum eine Rolle.

Doris Ludes empfahl, die Vollmachten im Vorsorgeregister anzumelden und diese sowie eine Information darüber gut zugängig aufzubewahren.

„Für uns Ärzte hat der Patientenwille oberste Priorität“, sagte Dr. med. Jürgen Schirp, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin/Gastroenterologie am Marienhospital Gelsenkirchen, Onkologe und Palliativmediziner, und ergänzte: „Auch wenn das beispielsweise bedeuten kann, dass durch das Verabreichen von Schmerzmedikation der Sterbeprozess beschleunigt wird.“ Doch dazu muss dieser Wille auch eindeutig formuliert sein. Im klinischen Alltag fänden sich Ärzte sonst oft wieder in einem Spagat zwischen therapeutischen Möglichkeiten und den unterschiedlichen Auffassungen der Menschen im Umfeld des Patienten. Streitigkeiten zwischen den Parteien der Familie könnten nicht durch Mediziner ausgefochten werden.

Eine Patientenverfügung gibt dem Patienten seine Autonomie und Selbstbestimmung (zurück). Um Fehlinterpretationen auszuschließen, sollte in der Familie über die Wünsche und Vorstellungen gesprochen werden. Detailliert werden diese dann festgelegt, zum Beispiel über künstliche Ernährung, Dialyse, Sedierung bei Luftnot, schmerzstillende Maßnahmen. Wenn Angehörige wissen, dass alles im Sinne des Patienten geregelt ist, bedeutet dies auch für sie eine große Erleichterung.

Wie groß das Interesse an diesem Thema in der Bevölkerung ist, zeigt die sehr gute Beteiligung und die rege Diskussion im Anschluss an die Vorträge. Viele Besucher nutzten im Anschluss die Gelegenheit, im Einzelgespräch auch ihre ganz persönlichen Fragen zu stellen.

→ Link zu dem Internetbereiche des Ethikkomitees des Sankt Marien-Hospitals Buer